Zu Beginn des Krieges in der Ukraine hatten wir drei jüdische Holocaust-Überlebende aus Kiew bei uns aufgenommen. Zwei Frauen konnten bald zu Verwandten in Norddeutschland umziehen. Nadja blieb. Im Alter von fast 94 Jahren ist sie nun verstorben.
Die studierte Mikrobiologin hatte in ihrer Heimatstadt Kiew im 7. Stock eines Hochhauses gelebt. Als Russland die Ukraine angriff, konnte sie bei Bombenalarm nicht in die Schutzräume eilen und verharrte in ihrer Wohnung. So willigte sie ein, ihre Heimat um der Sicherheit willen zu verlassen und nach Deutschland zu kommen.
Nadja hatte als zehnjähriges Mädchen schon einmal flüchten müssen, als die Nazis 1941 Russland angriffen. Damals hatte sie in Novosibirsk Zuflucht gefunden. Viele ihrer Verwandten waren den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen.
Nadja war gern in unserem Haus und wurde von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde sehr gut begleitet. Trotzdem wäre sie am liebsten in ihre Heimat zurückgekehrt. Am 9. März ist sie verstorben und wurde am 13. März auf dem jüdischen Friedhof in Würzburg beigesetzt.