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Gott, der Schöpfer allen Lebens, rief in den Morgenstunden des 14. August 2020, nach einem erfüllten Leben im Dienst an den Schwestern und Brüdern, unsere liebe Schwester M. Christophora Liebl OSA zu sich in die ewige Heimat.

Es war überraschend, dass sich ihre chronische Erkrankung in den letzten Wochen und Tagen so rasant verschlechterte. Der kurze Aufenthalt in der Palliativstation brachte ihr Erleichterung. Dort schlief sie ruhig ein, in Anwesenheit ihrer beiden Schwestern, Schw. Veritas und Gisela. Schw. Christophora war vorbereitet und ist bewusst ihren Weg gegangen. Am Augustinusfest wollten wir ihr 60jähriges Professjubiläum feiern. „Das werde ich nicht mehr erleben“, sagte sie „und so erneuere ich meine Profess jetzt mit den Worten: Ich, Schw. Christophora, bekräftige meine Hingabe an dich. Grüße alle Schwestern von mir und sie möchten ein Ave Maria für mich beten.“ So verabschiedete sie sich, bevor sie auf die Palliativstation kam.

Schw. Christophora wurde am 12. November 1939 in Georgenberg bei Weiden als viertes von acht Kindern geboren und auf den Namen Edeltraud getauft. Von 1945 bis 1953 besuchte sie die achtjährige Volksschule in Neukirchen St. Christoph. Danach kam sie nach Würzburg und besuchte die dreijährige Städtische Haushaltungsschule. Den praktischen Teil machte sie in der Hauswirtschaft im Mutterhaus. Hier lebte ihre ältere Schwester, Schw. Claretta. Später trat auch noch ihre jüngere Schwester, Schw. Veritas, in unsere Gemeinschaft ein.

Schw. Christophora hatte in den Jahren ihrer Ausbildung die Gemeinschaft kennen gelernt und fasste den Entschluss, am 1.Oktober 1956 in die Gemeinschaft einzutreten. Am 15. September 1963 band sie sich in der Profess auf Lebenszeit für immer an unsere Gemeinschaft.

Schw. Christophora arbeitete zunächst im Mutterhaus in verschiedenen Bereichen, zwei Jahre war ihr die Heimleitung in der Klosterschule anvertraut. Von 1966 bis 1968 nahm sie am Theologischen Fernkurs teil und schloss ihn mit der Prüfung ab. Im Juli 1969 wurde ihr die Aufgabe der Novizenmeisterin übertragen. Zur Vorbereitung auf diese Aufgabe besuchte sie von 1968 bis 1969 das Studienjahr am Ausbildungsseminar der VHOD für Ordensfrauen in München. Dort bekam ihre Spiritualität Nahrung und Formung, der sie ein Leben lang treu blieb. Bescheiden und tief verwurzelt in der geistlichen Tradition der Gemeinschaft säte sie guten Samen für ein augustinisches Ordensleben in die Herzen der Novizinnen. Persönlich spüre ich heute noch einiges von dieser guten Prägung.

1984, nach 15 Jahren, legte sie die Aufgabe der Ordensausbildung in jüngere Hände. Von 1975 bis 1981 war Sr. Christophora Assistentin in der Generalleitung der Gemeinschaft.

Als 1972 in der Diözese Würzburg die Arbeitsgemeinschaft der Frauenorden (AGFO) gegründet wurde, übernahm Schw. Christophora die Aufgabe der 1. Vorsitzenden und konnte verschiedene gute Angebote für Ordensfrauen auf den Weg bringen.

Mit 45 Jahren wurde Schw. Christophora in Frankfurt zur Altenpflegerin ausgebildet und schloss mit der staatlichen Anerkennung ab. Von 1986 - 1988 arbeitete sie als Altenpflegerin im Altenheim St. Martin in Geldersheim. Danach waren ihr, 12 Jahre lang, in der Aufgabe der Oberin die alten und betagten Mitschwestern im Mutterhaus anvertraut. Sie organisierte verschiedene Angebote für sie, führte Gymnastik- und Beschäftigungsstunden ein und begleitete sie in Alter, Krankheit und beim Sterben.

Im Jahr 2000 wechselte Schw. Christophora in den Konvent Marienfried und begann den Grundkurs Klinische Seelsorgeausbildung an den Universitätskliniken Würzburg, denn sie wollte weiter für Menschen wirken. Mit ihrer reichen Erfahrung und dem Rüstzeug des Kurses übernahm sie die Seelsorge im Pflegeheim Zehnthof in Würzburg Heidingsfeld. 2009 wurde dieses Haus geschlossen, was für Schw. Christophora sehr schwer war. Von Marienfried aus besuchte sie, so lang es ihr möglich war, die alten Menschen in den verschiedenen Heimen in der Stadt, in die sie verlegt worden waren.

Schw. Christophora war die letzten 20 Jahre selbst durch eine chronische Erkrankung belastet. Mit den zunehmenden Einschränkungen hat sie gelebt, hat sie selbstverständlich getragen und konnte sich trotzdem immer anderen zuwenden. Zur Selbsthilfegruppe ihrer Erkrankung, deren Mitglieder sich gegenseitig stützten, pflegte sie viele Jahre guten und regelmäßigen Kontakt.

Im Konvent Marienfried waren lange Jahre viele Gäste, die die Stille suchten, die Sorgen und Nöte mitbrachten. Sie war eine gute Zuhörerin und ihre Anwesenheit und Ausstrahlung tat den Menschen gut. Christusträgerin zu sein, was ihr Name bedeutet, war ihr zutiefst wichtig. So hat sie die Atmosphäre im Konvent mitgeprägt. Im Konvent Marienfried hatte sie auch gute Beziehungen zu den Mitgliedern der Weggemeinschaft. Alle hatten sie gern und allen war sie wichtig.

In Marienfried trug sie 2019 den Abschied von Haus und Grundstück mit und entschied sich, in den Konvent Hl. Kreuz in der Zellerau mitzugehen, obwohl ihr gesundheitlicher Zustand zunehmend instabiler wurde. Auch da suchte und pflegte sie den Kontakt zur Gemeinde. Bis zum Schluss waren ihr die Menschen wichtig.

Ich danke Schw. Christophora für ihr langes, vielfältiges und segensreiches Wirken, für ihr Beten, für das Annehmen und Tragen ihres Leidens. Sie darf nun ausruhen von ihrem Lebenswerk, das reich an Arbeit, an Dasein für die Menschen und an Liebe und Treue zur Gemeinschaft war. In der Nähe zum Fest Mariä Aufnahme in den Himmel durfte sie heimgehen. Mit Maria war sie vertraut. Gott schenke Schw. Christophora nun Aufnahme in seine Herrlichkeit und in seinen Frieden.

Am kommenden Mittwoch, dem 19. August 2020, um 13:30 Uhr geleiten wir unsere Schw. Christophora auf dem Hauptfriedhof zu Grabe. Das Requiem feiern wir infolge der Corona-Pandemie im Kreis der Schwestern.

Würzburg, den 14. August 2020
Für die Kongregation der Ritaschwestern
Schwester Rita-Maria Käß OSA, Generaloberin

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