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Alle sollen eins sein:
wie DU, Vater, in mir bist und ich in DIR bin,
sollen auch sie in uns sein.
(Jo 17,21)

In den Morgenstunden des 4. Oktober 2022 rief Gott, der Schöpfer allen Lebens,unsere liebe Schwester M. Ursula Pieper zu sich ins Licht und ins Leben.

Sr. Ursula wurde am 11. Februar 1949 in Lippstadt als jüngstes von drei Kindern geboren und auf den Namen Ursula getauft.

Sie besuchte von 1955 bis 1963 die Volksschule in ihrem Heimatort. Von 1964 - 1968 besuchte sie private Berufsfachschule für Kinderpflege in Salzkotten und machte dabei die Prüfung der Bildungsreife.

Von 1969 bis 1972 ließ sie sich an der Fachhochschule NRW zur Sozialarbeiterin ausbilden. Damit fand sie ihren Beruf, der ihr zur Berufung wurde. Sie war durch und durch im Denken und Handeln davon geprägt - in der allgemeinen Sozialarbeit, in der Bezirkssozialarbeit und 16 Jahre in der sozialpädagogischen Pflegekindvermittlung beim Sozialdienst Katholischer Frauen in Lippstadt und Lüdinghausen.

Später war ihr Einsatzgebiet bei psychisch kranken Menschen.

Immer wurden ihr ausgezeichnete Fachkenntnisse, hohes Engagement und Einfühlungsvermögen in die Situation der Eltern, der Kinder und Klienten bescheinigt. Das Dasein für andere war ihr Lebensmotto.

Sr. Ursula war immer ein religiös suchender Mensch und lernte durch Sr. Carmen die Ritaschwestern kennen.

1997 trat Sr. Ursula mit 48 Jahren in unsere Gemeinschaft ein, legte am 10.10.1999 die ersten Gelübde ab. Mit der Profess auf Lebenszeit band sie sich am 20.10.2002 für immer an unsere Gemeinschaft.

Zunächst arbeitete sie drei Jahre als Sozialarbeiterin im Sozialdienst kath. Frauen in Würzburg bei psychisch kranken Menschen. Dann als Sozialarbeiterin und Seelsorgerin in unserem Alten- und Pflegeheim Haus Clara, bis sie dann 2014 die seelsorgliche Begleitung im Hospiz des Juliusspitals übernahm. Dies hat sie mit ganz viel Liebe, Einfühlungsvermögen und Engagement für die Gäste des Hospizes, für deren Angehörigen und für das Pflegepersonal erfüllt. In der Begleitung der betroffenen Menschen und vor allem bei der Verabschiedung von Verstorbenen war ihr nichts zu viel. Sie bereitete jede Abschiedsfeier ganz individuell vor und holte die Menschen da ab wo sie waren.

In der Gemeinschaft war Sr. Ursula eine geschätzte Mitschwester mit der wir gerne zusammen waren. Ihre Beiträge in Konventsgesprächen und beim Austausch waren einfühlend, spirituell, weitsichtig und bereichernd. Wir sind dankbar, dass sie uns als Mitschwester geschenkt war. Wir und mit uns alle, die sie kannten, werden sie sehr vermissen. In einem der letzten Gespräche sagte sie: „Ich wünsche mir, dass ich von der Ewigkeit aus etwas für Euch tun kann“.

Sr. Ursula ging ein Leben lang einen tiefen spirituellen Weg. Vor ihrem Eintritt bei uns war sie eine zeitlang auf dem buddhistischen Weg und lebte ein Jahr lang in einem Zentrum im Allgäu.

Immer waren ihr auf dem inneren Weg das Herzens DEIN Gebet und Schriften von Meister Eckhart und Augustinus geistliche Nahrung. Sie begleitete viele Gruppen und einzelne Menschen, bot spirituelle Seminare an und wirkte aus ihrer großen spirituellen Tiefe und ihres inneren Reichtums.Das große Vertrauen und die tiefe Gottverbundenheit blieben auch in der Krankheit ihre Kraftquelle.

Sr. Ursula bekam vor einem Jahr die niederschmetternde Diagnose ALS. Sie wusste, was das bedeutete, denn in ihrer 9-jährigen seelsorglichen Tätigkeit im Hospiz begleitete sie immer wieder Menschen mit dieser Krankheit. Die Erkrankung schritt stetig voran, sodass Ende März dieses Jahres ihre Aufnahme im Hospiz nötig wurde. Sie wusste um den Ernst ihrer Erkrankung und lebte die letzte Wegstrecke ihres Lebens ganz bewusst mit dem Blick und der Sehnsucht auf das Ziel, das Daheimsein bei Gott. „Meine Seele hat es eilig“, schrieb sie in einem Brief an uns und ihre Bekannten. Der letzte Eintrag in ihrem Tagebuch am 20.9.22 ist: „Herr, Dein Wille geschehe“.

Lassen wir Sr. Ursula selbst zu Wort kommen, mit dem, was sie uns geschrieben hat:

„Ich sage immer, wenn GOTT mir diese Krankheit zumutet, wird ER mir auch alles geben, sie zu meistern. Ich habe von Kindheit an ein großes Vertrauen in die göttliche Führung – Fügung, immer hat sich alles zum Guten gewendet und so wird es auch auf dem letzten Stück des Pilgerweges sein. Das gibt mir Kraft, den Weg zu gehen, auch wenn ich mal an dem Punkt ankommen sollte, wo ich wie JESUS bitten werde „...lass den Kelch an mir vorüber gehen, doch DEIN Wille geschehe..“

Ja, „Dein Wille geschehe“ ist mir zum Geländer auf dem letzten Stück meines Weges geworden. Ich weiß, es geschieht nichts ohne den Willen des VATERS.

Meister Eckhart sagt, was immer der Wille des Vaters ist, das soll uns am Besten gefallen. „Die es so als Bestes hinnehmen, die bleiben bei allen Dingen im vollkommenen Frieden.“

Meine Sehnsucht, mit dem göttlichen Sein wieder Eins zu werden, begleitet mich schon ein Leben lang.

Ihr habt mich oft gefragt, wie es mir mit der Krankheit geht.

Ich habe die Krankheit gut angenommen. Ich lebe intensiv und bewusst in der Gegenwart.

Es fällt mir bis jetzt nicht schwer, mich von Dingen zu verabschieden (war schon immer so!!). Wie es sein wird, wenn die Krankheit bis zur völligen Hilflosigkeit fortgeschritten ist, wird sich zeigen! Grossen Respekt habe ich vor der Beeinträchtigung der Atemmuskulatur…Durch welche Erfahrungen von Angst, Schmerz...ich gehen muss, weiß ich nicht, doch auch darin werde ich innerlich und äußerlich liebevoll, behutsam begleitet sein.“

 Das war sie bis zum Schluss im Hospiz. Deshalb danken wir dem Ärzteteam der SAPV und allen Mitarbeiter:innen im Hospiz des Juliusspitals, die Sr. Ursula - ihre Kollegin - betreut, gepflegt und begleitet haben, mit einem herzlichen Vergelts Gott.

Danke an die Schwestern im Konvent Raphael und an alle Mitschwestern, an Bekannte und Freunde, mit denen Sr. Ursula verbunden war und die sie bis in die letzten Lebenstage besucht haben und ihr Freude machten.

Sr. Ursula ist mit ihrem sehnsüchtigen, weiten und liebenden Herzen bei Gott angekommen. Er, der sie in Liebe erschaffen hat, vollende nun das Einswerden mit SEINEM GÖTTLICHEN SEIN.  

 

 Würzburg, den 4. Oktober  2022

Für die Kongregation der Ritaschwestern

Sr. Rita-Maria Käß OSA

Generaloberin

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