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Gott rief am Dienstag, dem 25. Februar 2020, nach einem langen Leben im Dienst an den Schwestern und Brüdern, unsere liebe Schwester M. Marietta Lermer OSA zu sich in die ewige Heimat.

Vor einer Woche hat Schw. Marietta die Einladungen zur Feier ihres 95. Geburtstages am 10. März engagiert und mit großer Freude geschrieben. Sie wollte alle ihre Verwandten nochmals einladen und mit ihnen feiern. Kurz danach bekam sie einen Infekt, wurde überraschend immer schwächer und erholte sich nicht mehr.

Schw. Marietta wurde ihren Eltern Ludwig und Maria Lermer am 10. März 1925 in Würzburg als drittes von vier Kindern geschenkt und auf den Namen Emma Theresia getauft. Die Familie lebte in der Uhlandstraße, unweit der heutigen Friedrich-Spee-Straße.

Von 1931 - 1939 besuchte sie die achtjährige Volksschule in Würzburg und die zweijährige Städtische Handelsschule. In allen Zeugnissen stehen sehr gute, vorbildliche Leistungen.

Am 15. April 1941 begann Sr. Marietta die Lehre in der Dresdner Bank, besuchte die Kauf-mannsschule und wurde zur Bankgehilfin ausgebildet. Im Juli 1943 legte sie ihre Gehilfenprüfung mit Erfolg ab und arbeitete danach in der Deutschen bzw. Dresdner Bank bis zum Herbst 1949.

Sie erlebte die Zeit des Nationalsozialismus. Oft erzählte sie davon, wie sich die katholische Jugend heimlich mit Kaplan Bauer traf. Diese „Bauerstunden“ waren prägend für ihren tiefen Glauben. Schmerzlich musste sie die Kriegszeit in Würzburg und die Bombardierung ihrer Heimatstadt am 16. März 1945 mitmachen.

Am 24. September 1949 trat Emma Lermer in unsere Gemeinschaft ein. Bei ihrer Einkleidung am 27. April 1950 erhielt sie den Namen Schw. Marietta und legte nach dem Noviziat am 25. April 1952 ihre ersten Gelübde ab. Mit der Profess auf Lebenszeit am 25. April 1955 band sie sich für immer an unsere Gemeinschaft.

In der Zeit von 1951 bis 1953 wurde sie in der Stiftungsfachhochschule in München zur Wohlfahrtspflegerin und Seelsorgshelferin ausgebildet. Das praktische Jahr absolvierte sie beim kath. Fürsorgeverein in Düsseldorf und in Würzburg. Das Praktikum in der Seelsorgshilfe machte sie in der Pfarrei Hl. Kreuz Würzburg.

In den Jahren 1972 und 1975 wurden ihr die Berufsbezeichnungen Sozialarbeiterin und Gemeindeassistentin zuerkannt.

Schw. Marietta hatte ein reiches Leben. Es war von verschiedenen verantwortungsvollen Aufgaben geprägt. Sie war äußerst gewissenhaft. Schon in einer Einschätzung vor der Ablegung der Gelübde steht: „…Sie kann eine gute Stütze für die Gemeinschaft werden.“ Ihre Ausbildungen, ihr fester Glaube, ihre Innerlichkeit und ihre Freude am gemeinsamen Leben bereiteten sie darauf vor, ließen sie bis ins hohe Alter unsere geschätzte Mitschwester sein.

Von 1956 bis 1959 war sie für die Kandidatinnen verantwortlich, die damals noch zahlreich waren. Von 1959 bis 1963 hatte sie das Amt der Generalökonomin inne, bei dem ihr ihre erste Ausbildung zur Bankgehilfin sicher zugute kam.

Ab 1963 war sie als Gemeindeassistentin tätig. Diesen Dienst versah sie fast ausschließlich in der Pfarrei St. Barbara, Würzburg. Dort wirkte sie insgesamt 18 Jahre. Bis heute hatte sie noch lebendige, gute Beziehungen dorthin. Neben dieser Aufgabe war sie mit dem Amt der Oberin des Konventes betraut und war von 1963 bis 1975 als Assistentin in der Generalleitung der Gemeinschaft.

Beim Generalkapitel 1981 wurde Schw. Marietta zur fünften Generaloberin unserer Gemeinschaft gewählt. Damals zählte unsere Gemeinschaft über 200 Schwestern, die in mehr als 30 Filialen lebten. Zwölf davon musste sie während ihrer Amtszeit schließen.

Es begann der Prozess des Kleiner-Werdens und die große Sorge des Nachwuchsmangels. 13 Jahre war Schw. Marietta die Leiterin unserer Gemeinschaft und gestaltete mit den Schwestern diese Zeit.

Ein großes Anliegen war ihr die innere Erneuerung der Gemeinschaft. Vieles wollte und musste neu gestaltet werden:

  • Innerhalb des Mutterhauses wurden zwei Konvente mit Kleingruppen gebildet.
  • Die Satzungen (Lebensordnung) waren neu zu formulieren.
  • In ihre Amtszeit fiel das 75-jährige Gründungsjubiläum unserer Gemeinschaft. Aus diesem Anlass machten erstmals gemeinsam aus allen Filialen Schwestern eine Wallfahrt zur hl., Rita nach Cascia.
  • 1987 wurde das gesamte Mutterhaus grundsaniert.
  • In Racine i.d. USA wurde ein neues Konventshaus eingeweiht und in Luzern das Ritawerk Schweiz (von den Augustinern) übernommen.
  • Von 1988-1991 war Schw. Marietta Präsidentin der Föderation der augustinischen Frauengemeinschaften Deutschlands.
  • Für ihr langjähriges Mitwirken in den Anliegen der Caritas wurde Sr. Marietta 1992 das Ehrenzeichen in Gold verliehen.

In allen äußeren Ereignissen war Schw. Marietta stets verwurzelt in einem tiefen Glauben und einer dienenden und überzeugenden Haltung. Sie war verlässlich und genau, der Tradition verbunden und doch bereit, Neues zu wagen. In ihrem Handeln und Entscheiden war sie geradlinig, überlegt und gründlich - stets vom Gebet getragen.

Im Generalkapitel 1994 beendete sie ihren Leitungsdienst und wurde damit von der großen Verantwortung entlastet. Nach einer Sabbatzeit machte sie sich weiter mit ihren Begabungen nützlich und übernahm Aufgaben in der Verwaltung, im Sekretariat und sie schrieb Protokolle bei Zusammenkünften.

Beim Korrekturlesen unseres Lebenszeichens war sie sehr genau, kannte sich mit der neuen Rechtschreibung aus und fand immer etwas zum Verbessern. In den Konventen und Konventsgruppen gab sie lange Zeit spirituelle Impulse und leitete einen Bibelkreis für die alten Schwestern.

Ihre geistige Kraft war bis zuletzt erstaunlich gut. Ihr Dasein und Einsatz für die Gemeinschaft waren für sie selbstverständlich. Wir danken ihr für ihre gelebte Treue zu Gott und zur Gemeinschaft, für alle ihre Dienste.

Gott schenke ihr, jetzt sein Antlitz zu schauen und bei im selig zu sein.

Am Freitag, dem 28. Februar 2020, geleiten wir sie um 12:45 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Würzburg zu Grabe und feiern anschließend in der Mutterhauskapelle für sie das Requiem.

Würzburg, den 25. Februar 2020

Für die Kongregation der Ritaschwestern

Schw. Rita-Maria Käß OSA, Generaloberin

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