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Für Ursula Dittmann ist der Platz an der Pforte der Ritaschwestern der schönste Arbeitsplatz der Welt. Sie beschreibt ihn in ihren Worten:

Es ist Mittwochnachmittag im Herbst. Es ist ruhig an der Pforte der Ritaschwestern und ich habe Muse aus dem Fenster zu sehen. Wie so oft in  den letzten fünf-dreiviertel Jahren. Der Blick ist vertraut, doch je nach Jahreszeit und Lichteinfall immer anders.

Im Frühjahr freue ich mich über jede Knospe, jeden Grashalm und jede Blume. Schneeglöckchen, Tulpen, Osterglocken, Hornveilchen, und Vergissmeinnicht. Die Bäume zeigen ihre frischen Blätter und ich merke, grün ist nicht gleich grün. Als Kontrast steht eine Rotbuche mit ihren rotbraunen Blättern im Hintergrund. Der Flieder blüht weiß und lila. Die Magnolien, was für eine Pracht. Ich kann mich nicht satt sehen. Rechts steht der Spaghettibaum (Trompetenbaum). Der Namen lässt schmunzeln, er hat ihn von Kindergartenkindern erhalten. Sein Stamm ist ganz krumm. Trotzdem wirkt er in Verbindung mit den anderen Bäumen mächtig. Seine langen Schoten (Spaghetti) sind einfach interessant.

Im Sommer werden viele Gebete um Regen zum Himmel geschickt. Die Hausmeister sind dann oft beschäftigt mit dem Rasenmähen. Rosensträucher sind in vielen Farben im ganzen Garten verteilt. Manch einer bleibt stehen, um daran zu riechen. Dann recken sich die Sonnenblumen der Sonne entgegen. Die Jungvögel machen ihre Flugversuche und die Blumen haben ihr Sommerkleid angezogen. Leider wird mein Blick nach draußen nun öfters gebremst. Die kräftige Sonne zwingt mich, am Vormittag den Sonnenschutz zu nutzen.

Liebevoll wird von den Schwestern alles gepflegt und Schwester Elisabeth freut sich, wenn es reichlich Blumen gibt. Damit kann sie die schönsten Arrangements in der Kapelle und im Haus gestalten. Aber es gibt nicht nur die Natur die das Bild prägt. Zu Events wie am Ritatag, oder an Professjubiläen wird die Idylle lebhaft mit Menschen erweitert. Ein Sektempfang zu Festen oder das Kindergartenfest im Grünen sind etwas Besonderes.

Und nun ist wieder Herbst. Das Licht hat sich wieder verändert. Das Wolkenspiel ist wunderschön. Wenn die Wolken sich schnell dahinbewegen, könnte es einem fast schwindlich werden beim Hinsehen. Der Wind führt mit den Bäumen manchmal ein Tänzchen auf. Böen schubsten sie nacheinander an. Äste, Zweige und Blätter bewegen sich wie im Tanz. Die längeren Herbstblumen wiegen sich dabei in und her. Noch ist alles schön grün, dieser Sommer war nicht so trocken wie der vergangene. Immer mehr Blätter schweben ganz sanft zu Boden und bilden irgendwann einen bunten Teppich auf dem Rasen. Zum Leidwesen der Schwestern, welche die Blätter zusammenrechen müssen.

„Unser“ Eichhörnchen, zart und flink, lässt sich immer wieder blicken und ist mit dem Wintervorrat schwer beschäftigt. Wie lange noch, dann liegt der erste Schnee seine reinweiße Decke über diesen schönen Garten? Wenn dann die Sonne scheint, hat der Himmel oft ein tiefes Blau. Manchmal ist es aber auch nur trüb.

Doch Wehmut kommt zu keiner Zeit auf. Hab ich doch nicht nur die tolle Aussicht, sonder das ganze Jahr über viel Kontakt mit lieben und interessanten Menschen. Sogar Persönlichkeiten wie Frau Caroline Reiber (sie ist die Schirmherrin der Stiftung SOS Familie) und Bischof Friedhelm durfte als Pförtnerin schon begrüßen! Kleine Feste wie das Sommer- und Weihnachtsfest für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen das Herz höher schlagen. Und die liebevollen Geburtstagswünsche zeugen von Wertschätzung. Über den Lautsprecher darf ich an den Gottesdiensten in der Kapelle teilhaben. Ich gehöre einfach dazu! Wenn dann Weihnachtsbäume im Haus und im Garten ein warmes Licht auf kahle Bäume und Sträucher werfen, freue ich mich schon wieder auf das nächste Frühjahr.

Wie oft ich diesen Jahreswechsel noch erleben darf, bestimmt ein anderer. Aber ich werde alle frohen Augenblicke und Eindrücke stets im Herzen behalten. Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt!

Würzburg, im Oktober 2019
Ursula Dittmann

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