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Anlässlich ihres 110. Geburtstags haben die Ritaschwestern den Würzburger Historiker Roland Flade gebeten, ein Buch über ihre tiefe Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde in Würzburg zu schreiben.

Das Buch heißt „Dem Leben dienen. Die Ritaschwestern und die Würzburger Juden“. Von 1912 bis 1960 arbeiteten zehn Ritaschwestern - mit Ausnahme einer dreieinhalbjährigen durch die Gestapo erzwungenen Pause - im jüdischen Krankenhaus und den jüdischen Altersheimen.

Am längsten war Ritaschwester Elisabeth Wenzel dort beschäftigt. Der israelische Dichter Jehuda Amichai machte diese Ritaschwester zu einer Figur der Weltliteratur. In seinem Roman „Nicht von jetzt, nicht von hier“ widmet er ihr über drei Seiten. Die Worte „Die Augen der alten Elisabeth blickten mich liebevoll an“ seien der zentrale Satz in der zentralen Szene des Romans von Jehuda Amichai (1924 bis 2000). Der deutsch-israelischen Lyriker gilt als einer der meistgelesenen und bedeutendsten modernen israelischen Dichter.

Das hochwertige Buch der Ritaschwestern „Dem Leben dienen“ beschreibt auf seinen 150 Seiten in mehreren Kapiteln das Leben und oft auch das Sterben jüdischer Menschen, die in Würzburg gelebt haben. Autor Roland Flade versteht es bestens, ihr Leben plastisch darzustellen. Was könnten sie gedacht haben? Was sagen Fotos und Zeugnisse über sie aus? Wie passen bereits recherchierte Puzzleteile und neue Erkenntnisse aus verschiedenen Archiven und Quellen ineinander?

„Ich möchte, dass jüdische Menschen nicht vergessen werden. Ich will mit Fotos an sie erinnern und ihre Namen nennen. Von vielen ermordeten jüdischen Menschen gibt es leider keine Erinnerung dieser Art mehr“, beschreibt Roland Flade seine Hauptmotivation, warum er immer wieder so tief in die Geschichte seiner Heimatstadt Würzburg eintaucht. Es habe ihm Spaß gemacht, das Buch für die Ritaschwestern zu schreiben. Zudem sei ihr Archiv „eine Freude für jeden Historiker“, lobte er.

Zur Buchpräsentation trafen sich im Festsaal des Würzburger Mutterhauses Ritaschwestern aus allen Konventen in Würzburg, aus Bad Königshofen, Luzern (Schweiz) und Racine (USA), Weggefährtinnen und Mitglieder der Weggemeinschaft, Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Ehrenamtliche sowie eine Reihe an Ehrengästen. Sie brachten damit ihre Vernetzung zu den Ritaschwestern zum Ausdruc.

„Wir gehen zu allen Menschen“, das ist ein Charisma der Ritaschwestern, das sich seit ihrer Gründung in ihren Herzen eingeprägt habe, sagte Generaloberin Schw. Rita-Maria Käß bei der Begrüßung. Ritaschwestern würden sich für Geschwisterlichkeit und Respekt einsetzen.

„Wir gehen unseren Weg nicht allein, sondern mit vielen Menschen, die sich auf vielfältige Weise mit uns verbunden wissen“, verdeutlichte Schw. Rita-Maria beim Festakt. An diesem Tag der Erinnerung sei die Ordensgemeinschaft insbesondere dankbar und stolz auf die zehn Schwestern, die durch ihr Lebenszeugnis im jüdischen Krankenhaus und in den jüdischen Altenheimen dazu beigetragen haben, Vorurteile abzubauen.

Domkapitular Monsignore Dietrich Seidel würdigte das „innige Miteinander der Ritaschwestern über 45 Jahre mit der jüdischen Gemeinde in Würzburg“. Das sei in ihrem neuen Buch „handfest deutlich gemacht worden“ und beweise, dass die Ritaschwestern stets für Menschen da waren und es weiterhin sind. Er dankte ihnen „für das vielfältige Engagement in unserem Bistum“, und dafür, dass sie „die Leidenschaft für Christus leben“.

Dr. Josef Schuster drückte in einem Brief seine innige Verbundenheit mit den Ritaschwestern aus. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland betrachtete es als verbindend, dass sowohl bei den katholischen Ordensschwestern als auch bei der jüdischen Gemeinde die Religion, Traditionen und der Glaube wichtige Rollen im Leben spielen. Er übermittelte der Festgemeinschaft herzliche Grüße und Glückwünsche.

Das Buch „Dem Leben dienen“ kostet 16 Euro und kann bei den Ritaschwestern gekauft werden. Wenn es mit der Post versendet werden soll, kommen die Portokosten dazu. Mittlerweile ist das neue Buch der Ritaschwestern auch in einigen Buchhandlungen in Würzburg, Schweinfurt und Volkach erhältlich.

 

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